Auf einer Bergstraße in Norwegen fahren

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Wir haben alle schon gehört, dass ein Bußgeld für eine Geschwindigkeitsübertretung in den nordischen Ländern teuer ist, genauer gesagt in Norwegen. Also, ich bestätige es dir: Es kostet wirklich ein Vermögen, und zwar in einem Ausmaß, das man sich kaum vorstellen kann.

Bis dahin – sagen wir die ersten zehn Jahre – hatte ich es geschafft, dem zu entgehen. Kein Wunder: Ich habe mich ans Tempolimit gehalten. Einfach, aber es funktioniert. Außerdem ist Norwegen kein Land, in dem man unaufmerksam schnell fährt. Vor allem im Winter nicht. Instinktiv hält man sich zurück, man knallt nie einen Spitzenwert von 110 km/h raus, man hält den Sicherheitsabstand zu den Leuten vor einem – wirklich, im Großen und Ganzen fährt man ganz gemütlich. Ja, aber…

Über die Radarkontrollen sprechen wir später (sie sind groß, schwer zu übersehen), aber die Falle in Norwegen ist das Tempolimit, das sich ständig ändert. Es geht in Nullkommanichts von 90 auf 80, dann 60, dann 80 – es reicht ein einzelnes Haus mitten im Nirgendwo, und schon sinkt es.

Und dann – zack. Auf einer stinknormalen Straße mit Tempo 80, das für lächerliche drei Kilometer auf 60 fällt, konnte ich für dich überprüfen: Ja, die Bußgelder sind teuer! 12.000 NOK für 21 km/h zu viel, ein Polizeiauto an einer wirklich strategischen Ecke geparkt (und später ist mir aufgefallen, dass sie ständig dort standen).

Wenn du also einen Roadtrip durch Norwegen planst, ist das, was du gleich liest, wirklich ein paar Minuten deiner Zeit wert.

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Wie viel kostet ein Bußgeld für eine Geschwindigkeitsübertretung in Norwegen – der offizielle Bußgeldkatalog

Der maßgebliche Text heißt Forskrift om forenklet forelegg i vegtrafikksaker – die Verordnung über vereinfachte Bußgeldbescheide, veröffentlicht von der offiziellen Stelle Lovdata. Sie legt die Beträge fest, und die sind deutlich höher als in den meisten europäischen Ländern.

Das Prinzip ist einfach: Der Bußgeldkatalog ist in zwei Spalten unterteilt, je nach geltendem Tempolimit auf der Straße, wo der Verstoß festgestellt wird. Auf der einen Seite Zonen mit 60 km/h oder weniger (Städte, Wohngebiete, Baustellen), auf der anderen Straßen mit 70 km/h oder mehr. Und der Unterschied ist erheblich.

Offizieller Bußgeldkatalog für Geschwindigkeitsüberschreitungen in Norwegen

Quelle: Forskrift om forenklet forelegg i vegtrafikksaker (Lovdata)

Festgestellte Überschreitung Zone ≤ 60 km/h
(Stadt, Baustelle, Wohngebiet)
Zone ≥ 70 km/h
(Landstraße, Schnellstraße, Autobahn)
1 bis 5 km/h 1.200 NOK (~105 €) 1.200 NOK (~105 €)
6 bis 10 km/h 3.250 NOK (~280 €) 3.250 NOK (~280 €)
11 bis 15 km/h 5.800 NOK (~500 €) 5.200 NOK (~450 €)
16 bis 20 km/h 8.400 NOK (~725 €) 7.250 NOK (~625 €)
21 bis 25 km/h 13.050 NOK (~1.130 €) 9.800 NOK (~845 €)
26 bis 30 km/h 🚫 Gericht / Führerscheinentzug 13.050 NOK (~1.130 €)
31 bis 35 km/h 🚫 Gericht / Führerscheinentzug 15.600 NOK (~1.350 €)
36 bis 40 km/h 🚫 Gericht / Führerscheinentzug 16.250 NOK* (~1.400 €)
41 km/h und mehr 🚫 Gericht / Führerscheinentzug 🚫 Gericht / Führerscheinentzug

*Hinweis: Der Satz von 16.250 NOK für die Stufe 36–40 km/h gilt nur auf Straßen mit einem Tempolimit von 90 km/h oder mehr.

Du siehst es: In einer 60er-Zone können dich 21 km/h zu viel mehr als 13.000 NOK kosten – also rund 1.130 Euro. Genau in diese Kategorie bin ich gefallen. Ab 26 km/h zu viel in einer 60er-Zone verlässt du den vereinfachten Bußgeldkatalog: Dann entscheidet das Gericht.

Die drei Arten von Geschwindigkeitskontrollen in Norwegen

Es ist nützlich zu wissen, womit du es auf der Straße zu tun hast, denn die Anlagen sind sehr unterschiedlich.

Klassische stationäre Radarkontrollen

Sie blitzen im Moment des Verstoßes, wie in Deutschland. In der Regel sind sie angekündigt, aber ihr Toleranzabzug ist sehr gering: nur 3 km/h (oder 3 % oberhalb von 100 km/h). Keine „inoffizielle” Toleranz, wie man sie sich manchmal vorstellt.

Sie sind gut ausgeschildert, sie sind groß, sie tauchen im Navi auf – sagen wir mal so: Um erwischt zu werden, muss man es echt drauf anlegen, denn sie stehen nicht in Fallenzonen. Meist stehen sie in bebauten Gebieten, also dort, wo es auch Sinn ergibt.

Abschnittskontrollen (streknings-ATK)

Das ist das gefürchtetste System, und Norwegen ist hier Vorreiter. Zwei Messbrücken im Abstand von mehreren Kilometern berechnen deine Durchschnittsgeschwindigkeit über den gesamten Abschnitt. Es bringt nichts, beim Anblick des Geräts vom Gas zu gehen: Gemessen wird deine gesamte Fahrzeit. Diese Radarkontrollen sind gut ausgeschildert, aber der klassische Fehler ist, sie nach ein paar Kilometern ruhiger Straße wieder zu vergessen.

Polizeikontrollen am Straßenrand

Genau das habe ich erlebt. Beamte mit einem Laserradar, oft an Stellen, wo sich das Tempolimit gerade geändert hat oder man es nicht unbedingt erwartet. Was mir zum Verhängnis wurde: Die Straße ging von 80 auf 60 km/h herunter – eine ausgeschilderte, vorübergehende Reduzierung, die ich sehr gut kenne, aber schlicht vergessen hatte.

Das Schlimmste: Die Polizisten versuchen meist gar nicht, besonders unauffällig zu sein. Sie verstecken sich nicht hinter einem Busch oder einem Schild. Nein, sie stehen ziemlich sichtbar da – nur eben an raffinierten Stellen. Und das ist sehr wirksam 😀

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Wie läuft das „in echt” ab?

Wenn man schon erwischt wird, soll es wenigstens allen etwas bringen, oder?

Auf einem Straßenabschnitt, der über ein paar Kilometer von 80 auf 60 km/h heruntergeht, sehe ich plötzlich Blaulicht hinter mir. Gut, das kommt vor, manchmal geht es um Papier- und Alkoholkontrollen (Trinken vor dem Fahren ist übrigens verboten). Nur diesmal sagt man mir, es gehe um eine Geschwindigkeitsübertretung – und sofort weiß ich, dass es wehtun wird.

Dabei bin ich echt überrascht, denn ich hatte gar nicht das Gefühl, schnell zu fahren – eben die erlaubten 80. Die aber 60 waren. Also heißt es: „Ah, dann komm doch selbst nachschauen, wir haben das Video!” Super, ich wollte mich schon immer mal bei einer Übertretung sehen 😀 Zumal sie ziemlich lange hinter mir hergefahren sind! Wir haben das Video zusammen angeschaut und gesehen, dass es über eine lange Strecke ging und nicht nur ein kurzes Beschleunigen war. Danke also für die Bestätigung, dass ich richtig Mist gebaut habe.

Und jetzt wird es lustig. Zuerst: „Willst du die Übertretung anfechten? Wenn ja, kann das vor Gericht gehen.” Ja, also nein, ihr habt das Video, das reicht. Dann kommt die Rechenstunde. Die kleine Handy-App, die den Betrag der Strafe anzeigt: 81 km/h statt 60 … zack! 12.000 NOK (das ist seitdem offenbar noch gestiegen).

Ich: „Na, das ist heftig.” Er: „Das ist nicht verhandelbar.” Man merkt, dass der Typ es gewohnt ist, dass gemeckert wird, wenn er die Rechnung präsentiert 😀

Und nein, man zahlt nicht sofort – was ganz gut passt, denn 1.100 Euro mal eben so hinzulegen, na ja.

Da sie alle Daten aufnehmen, bekommt man die Strafe nach Hause geschickt, und das Schöne ist: Man kann zahlen, wie man möchte:

  • auf einmal
  • in mehreren Raten, die man selbst wählt
  • gestückelt, ein bisschen wann man will

Das ist also wirklich flexibel und nimmt ein bisschen den Druck raus.

Aber nein, sie vergessen dich nicht – und du bekommst die Strafe wirklich, wenn du erwischt wirst.

Jenseits des Bußgeldkatalogs: wann es strafrechtlich wird

Sobald die Übertretung die Schwellen der vereinfachten Tabelle überschreitet – typischerweise 26 km/h über einem Limit von 60 oder 41 km/h über einem höheren Limit –, wird der Fall zum Strafverfahren. Es ist dann kein einfaches Bußgeld mehr.

Konkret kann das bedeuten:

  • Ein sofortiger Führerscheinentzug, der auch für ausländische Fahrer auf norwegischem Boden gilt
  • Gemeinnützige Arbeit oder eine unbedingte Haftstrafe in den schwersten Fällen
  • Eine besonders niedrige Schwelle: Ab 143 km/h auf der Autobahn (wo das Tempolimit bei 110 liegt) landet man automatisch in diesem Risikobereich

Norwegen verfolgt eine Null-Toleranz-Politik, die keine PR-Floskel ist: So funktioniert das System wirklich.

Und wenn du beschließt, nicht zu zahlen, kannst du mit einem Einreiseverbot belegt werden. Wegen einer Strafe. Das hat immerhin den Vorzug, wirksam zu sein.

Meine Tipps, um ein Bußgeld zu vermeiden

Die beste Methode ist … das Tempolimit einzuhalten. Dafür muss man aber wissen, wie hoch es gerade ist.

  • IMMER ein GPS laufen lassen. Auch wenn du die Strecke kennst, auch wenn es wie in Tromsø nur drei Straßen gibt. Denn die Temposchilder sieht man nicht immer – und manchmal liegen sie schlicht unter dem Schnee.
  • Fahr unter dem Limit. Der Toleranzspielraum von 3 km/h lässt fast keinen Raum für Ungefähres. Wenn dein Tacho 63 km/h in einer 60er-Zone anzeigt, ist das schon ein echtes Risiko.
  • Aktiviere die Geschwindigkeitskontrolle deines Autos. Ich weiß nicht genau, wie das heißt, aber die Autos piepen, wenn man das erlaubte Tempo überschreitet. Das ist super praktisch.
  • Achte auf wechselnde Tempolimits. Der Wechsel von 80 auf 60 ist häufig kurz vor Ortschaften, Tunneln oder Baustellen. Ein regelmäßiger Blick auf die Schilder (oder vor allem aufs GPS) erspart böse Überraschungen.
  • Navi-Apps zeigen die festen Blitzer an (Waze, Google Maps), und das ist in Norwegen legal – anders als Radarwarngeräte, die verboten sind.
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Ich habe ein Bußgeld bekommen – was passiert, wenn ich nicht zahle?

Das ist die Frage, die sich viele stellen, nachdem sie den Schock über die Höhe verdaut haben. Die kurze Antwort: Wenn du Deutscher (oder Europäer) bist, rechne nicht damit, durch die Maschen zu schlüpfen.

Norwegen hat mit rund zwanzig europäischen Ländern Abkommen zur grenzüberschreitenden Vollstreckung geschlossen, darunter Deutschland, Frankreich, Spanien, Großbritannien und die meisten EU-Mitglieder. Konkret wird das unbezahlte Bußgeld an die Behörden deines Wohnsitzlandes weitergeleitet, die es genau wie ein inländisches Bußgeld behandeln – mit ihren eigenen Vollstreckungsmitteln. Nicht das Konsulat wird dich anrufen: Es ist die Finanzverwaltung auf deiner Seite der Grenze.

Die norwegische Vollstreckungsbehörde heißt Statens Innkrevingssentral – eine Abteilung der norwegischen Steuerverwaltung (Skatteetaten), nicht der Polizei. Sie gilt als effizient, und die Fristen können überraschen: Manche Fahrer haben ihr Bußgeld erst bis zu ein Jahr nach der Übertretung nach Hause bekommen – mit Säumniszuschlägen, die zwischenzeitlich ordentlich angeschwollen waren.

Die Standard-Zahlungsfrist beträgt eine Woche nach Erhalt. Danach häufen sich die Zuschläge. Und in den schwersten Fällen – Übertretungen, die andere gefährdet haben – kann ein unbezahltes Bußgeld theoretisch in eine Haftstrafe umgewandelt werden oder ein Einreiseverbot für Norwegen nach sich ziehen.

In der Praxis bleibt Gefängnis bei einer einfachen Übertretung wie einem moderaten Tempoverstoß reine Theorie. Die Säumniszuschläge dagegen sind sehr real – und wenn du eines Tages nach Norwegen zurückwillst, lässt du das besser nicht schleifen. Denn dass man dich bei deiner nächsten Ankunft in Norwegen erwartet, und das Einreiseverbot, sind durchaus real.

Danach ist es zwischen dir und deinem Gewissen, würde ich sagen 🙂

Kurz zusammengefasst

Wie du siehst, versteht Norwegen keinen Spaß! Geschwindigkeitsübertretungen werden geahndet, und das ist auch gut so: Da das Land viele Besucher aus Ländern empfängt, in denen etwas lockerer gefahren wird, bleibt so jeder schön in der Spur.

Wirklich, pass gut auf: Je stärker eine Region besucht ist, desto mehr Blitzer gibt es – und mobile Radarkontrollen dort, wo es touristisch wird. Genieß also lieber die Landschaft und behalte das GPS im Auge. Als ich im April die Fjordregion kreuz und quer durchquert habe, habe ich echt jede Menge Blitzer gesehen.

Ich weiß, dass norwegische Straßen enorm viel Zeit kosten: Die Distanzen sind ziemlich groß, aber man fährt hier generell sehr langsam – wegen Tempolimit und Zickzack-Straßen. Versuch also nicht, zu schnell voranzukommen, sondern brich lieber früher auf, um Puffer zu haben.

Ein paar zusätzliche Blog-Ressourcen

instagram northern lights norway vincent voyage
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